Glandorf ehrt berühmten Schwiegersohn
Glandorf grüßt mit Windmühlen-Flügeln auf dem B-51-Kreisel seinen berühmtesten Schwiegersohn: Ludwig Windhorst. Fotos: Jörn Martens
Windmühlenflügel auf dem B-51-Kreisel weisen auf Verbindung zu Ludwig Windthorst hin
Glandorf ehrt berühmten Schwiegersohn
Glandorf. Mit zwei Windmühlenflügeln auf dem Kreisel an der Bundesstraße 51 würdigt die Gemeinde Glandorf den 200. Geburtstag ihres berühmtesten Schwiegersohns, Ludwig Windthorst.
„Trotz seiner kleinen Statur und seiner Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen war er einer der Begründer unserer parlamentarischen Demokratie und Wegbereiter einer großen überkonfessionellen christlichen Volkspartei“, würdigte der ehemalige Rektor der Haupt- und Realschule Glandorf, Helmut Schmidt, den Namensgeber der Schule bei einer Feierstunde im Rathaus, zu der Bürgermeister Franz-Josef Strauch eingeladen hatte.
Denn 2002 erhielt die Schule, die inzwischen auf eine 400-jährige Geschichte zurückblicken kann, den Namen Ludwig-Windthorst-Schule. Im vergangenen Sommer war Schmidt als Rektor verabschiedet worden. Da er sich 15 Jahre intensiv mit der Geschichte und dem Wirken Windthorsts beschäftigt hat, gab er gestern anlässlich der neuen Windthorst-Flügel vor zahlreichen Vertretern kirchlicher und politischer Institutionen sowie der Ludwig-Windthorst-Stiftung und Ratsmitgliedern einen Einblick in das Leben und Wirken des einstigen Parlamentariers.
In seinen Ausführungen betrachtete Schmidt die Schulzeit Windthorsts: häufige Schulwechsel auch aufgrund des frühen und plötzlichen Todes seines Vaters und zuvor eines Onkels. Während der Jahre auf dem damals katholischen Gymnasium Carolinum in Osnabrück lernte er Ferdinand Engelen aus Glandorf-Oedingberge kennen, der sein Schul- und Studienfreund und sein späterer Schwager wurde. So entstand die Verbindung des in Ostercappeln geborenen Ludwig Windthorst zu Glandorf. 1830 machte er schließlich als Jahrgangsbester sein Abitur.
Das alles bestimmende Thema in dem Briefwechsel ab 1834 mit Ferdinand Engelen, der auch in Göttingen zusammen mit Windthorst studierte, war Windthorsts Liebe zu Julie, der Schwester seines Freundes. Denn der 22-Jährige hatte seine Liebe zu der sechs Jahre älteren Julie entdeckt. Die ersten Annäherungen wies diese allerdings ab.
Damit die Freundschaft zu Julie nicht öffentlich wurde, korrespondierte Windthorst mit ihr nur über ihren Bruder Ferdinand. Bei einer musikalischen Balkonszene, ähnlich wie in Goethes Liebesdrama „Romeo und Julia“, fiel Windthorst rückwärts in einen Bach und Julie lief schreiend zu ihm, um ihm zu helfen. Nun war die Verbindung der beiden öffentlich, berichtete Schmidt aus seinen Nachforschungen.
1838 fand schließlich die Trauung in der Hauskapelle auf Gut Oedingberge statt. Durch seine Verbindung zur Familie Engelen kannte Windthorst, wie Schmidt weiter ausführte, „die Befindlichkeiten in Glandorf wie das Kirchenleben, den Glandorfer Markt im August und die Jagd, die er wegen einer Sehschwäche kaum ausüben konnte“. So wählten ihn die Schweger „zum Schiedsrichter gegen die Dörfer wegen des Schulbaus“. Auch in der späteren Preußenzeit blieben seine Verbindungen nach Glandorf erhalten.
Weiter zeichnete Schmidt in seinem Vortrag ein Lebensbild von Julie Windthorst und den Kulturkampf, der für Windthorst enttäuschend endete. Denn Windthorst schöpfte seine Kraft aus dem katholischen Glauben. Trotz großer Meinungsunterschiede mit der römischen Kurie über die Wege der Rücknahme der Kulturkampfgesetze blieb er romtreu, unterstrich Schmidt.
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 14.01.2012




